P. B.
3/5
Vorab: Der Service (Bedienungen) ist hier nicht zu bemängeln. Auf die Kritikpunkte, welche zum Punktabzug führen, gehe ich im Einzelnen ein.
Wir waren als Reisegruppe mit einem Bus unterwegs und hatten entsprechend für Abends reserviert, inkl. 3 Gänge Menü. Die Hauptspeisen wurden im Vorfeld abgestimmt und dem Gasthof übermittelt.
Meine größte Kritik betrifft 2 Hauptpunkte:
1. Ablauf-/Küchenorganisation
2. Erwartungshorizont an die Speisen
Zu 1.)
Wir kamen um 18.30 an und nahmen Platz. Nach kurzer Zeit nahm der Service schon Bestellungen für Getränke auf und organisierte die Ausgabe für die Hauptspeisen vor. Was jedoch unverständlich ist, dass der erste Gang (Suppe), erst nach einer Stunde (!!!) serviert wurde. Eine Suppe ist ein Gericht, das wirklich von jeder Küche vorbereitet wird und schnell verfügbar ist. Die Gäste waren zu dem Zeitpunkt schon sehr hungrig und ungeduldig. Bis zum Hauptgang vergingen dann weitere 30 Minuten, so dass dieser gegen 20 Uhr serviert wurde. Gerade für ältere Teilnehmer ist das schon sehr spät. Der Hauptgang war auch von der Menge her ausreichend und hat nach dem langen Hunger auch einen gewissen Sättigungsgrad. Leider wurde bereits 10 Minuten nach dem Hauptgang schon das üppige Dessert serviert. Der Service hat zwischendurch bereits Getränke für's Dessert aufgenommen - das ist wirklich gut. Ich verstehe wirklich nicht, wie ein vorbestelltes Menü derart ungetaktet und spät aufgetischt werden kann, insbesondere wenn alles im Vorfeld bestellt ist und ohne Sonderwünsche.
Zu 2.)
Der Gasthof wirbt an jeder Ecke mit den Erfolgen des Sohnemannes und des Seniors (Medaillen, Auszeichnungen, bester Jungkoch, usw.). Insofern erwartet man nicht nur sehr gute, sondern herausragende Küche. Vielleicht sind wir hier mit zu hohen Erwartungen angekommen - aber wir wurden diesbezüglich schon etwas enttäuscht. Auch andere Teilnehmer der Reisegruppe, die auch gerne gut essen gehen, waren nicht wirklich überzeugt. Die Kürbiscremesuppe war schmackhaft, hier gibt es nichts zu meckern. Der Hauptgang war für uns aber relativ enttäuschend. Es gab zur Auswahl Bachsaibling auf Gemüse, Schweinemedaillons mit Pilzen und Rehschulter mit Rotkraut, Preiselbeermarmelade und Klössen. Anbei das gesammelte Feedback der Gäste:
- Rehschulter: Positiv: Das Fleisch war butterweich, insofern tadellos verarbeitet. Leider fanden wir beide das Fleisch geschmacklich fast schon belanglos. Die Preiselbeermarmelade war im Kontrast dazu sehr intensiv im Geschmack und hat daher den Eigengeschmack des Rehs komplett übertönt. Die handwerklich gut zubereitete Soße konnte hier leider auch geschmacklich kaum etwas beitragen und unterstützen. Vom Rotkohl waren wir tatsächlich enttäuscht, zuviel Säure und unpassend zum Gericht.
Das Gemüse zum Fisch war zu lasch, angekündigt als Grillgemüse waren die Zucchini eher wie gedünstet ohne Röstaromen. Gut war das Erbsen-Sellerie-Püree. Die knusprige Tomatenbutter ist eine raffinierte Idee, trug jedoch wenig zum Gericht bei. Von den Schweinemedaillons war mein Gegenüber auch nur mittelprächtig begeistert, die Sosse und Geschmack vom Fleisch waren "okay". Die Dessertplatte war eine gute Variation, geschmacklich und handwerklich gut gemacht. Der Eierlikörschaum und das Mousse au Chocolat waren meine Favoriten. Das gereichte Sorbet ist natürlich Geschmackssache. Mir hätte eine kleinere Portion davon gelangt, da es geschmacklich wirklich sehr intensiv und säurelastig war. Den meisten war es tatsächlich zu heftig - möchte ich hier allerdings nicht negativ auslegen, da ich kein Sorbet-Fan bin.
Summa summarum: Das Essen hier ist solide, von guter Qualität und erfüllt vermutlich die meisten Erwartungen. Wenn ich jedoch z.B. für das Reh den regulären Preis zahlen hätte müssen, wäre meine Enttäuschung tatsächlich sehr groß. In der Fränkischen Schweiz haben wir z.B. schon deutlich besser gegessen, ohne dass mit Medaillen geworben wurde. In der Einzelwertung bekommt der Service 5 Punkte - die Damen waren präzise und aufmerksam.